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„Kindheit I" 2013 Acryl & Tusche auf MDF 90 cm x 70 cm

m e i n e Z e i t z e u g i n

ein Bilderzyklus über das Leben und die Kriegserfahrungen meiner Großmutter.

Mein Elternhaus ist ein großes, altes Haus in der Eifel. Im Westen Deutschlands, 20 km bis zur Luxemburgischen Grenze. Da bin ich groß geworden. Es ist nicht das Dorf, es ist nicht die Eifel, die für mich „Heimat“ bedeuten. Es ist dieser spezielle Ort. Es ist unser Haus, es ist unser Garten. Wenn ich mir vorstelle, unsere Familie würde diesen Platz verlieren, fühle ich mich bedroht. Mir würden die Wurzeln genommen, und ich glaube, jeder Mensch braucht Wurzeln, braucht eine Heimat, braucht einen Platz in der Welt. Es gibt Familien, die seit Generationen an einem Ort in der Welt leben und sich fest verankert fühlen. Das kenne ich aus meiner Familie nicht. Nicht von meiner Mutter und auch nicht von meinem Vater. Denn die Familien beider meiner Eltern mussten im Krieg fliehen und ihre Heimat verlassen. Damit hat unsere ganze Sippe das Gefühl, eine sichere Heimat zu haben, verloren. Wir mussten neu wurzeln, neu anfangen, neu verwachsen, für nachfolgende Generationen einen Platz suchen. Meine Großmutter ist 90 Jahre alt und war jünger, als ich heute, als sie ihren verwurzelten Platz, ihre Heimat, ihren Besitz und ihre vertraute Kultur verlassen musste. Bis auf wenige Koffer musste sie alles zurück lassen. Bevor sie stirbt und niemand mehr etwas über ihr Leben, ihre Gefühle, ihre Erinnerungen an die Flucht und die Zeit des Krieges von ihr erfahren kann, habe ich ihre Kindheit, ihre Jugend, ihr Erleben als junge Frau zum Thema meiner Diplomarbeit gemacht. Und in den vielen Stunden, in denen wir zusammen gesessen haben und sie mir ihr Leben erzählt hat, bin ich ihr auf ganz besondere Weise nah gekommen. Dies ist ein völlig subjektiver Bericht einer jungen Frau, die im Osten Deutschlands geboren ist, sich in Schlesien verheiratet hat und nach Westdeutschland fliehen musste. Er erhebt keinerlei Anspruch auf historische Wahrheiten. Diesen Bericht habe ich in einem 13 -teiligen Bilderzyklus visualisiert. Darüber hinaus habe ich einen Katalog über meine Arbeit gestaltet, in dem die Gemälde präsentiert und die Gespräche mit meiner Großmutter zusammengefasst sind. Eine Erzählung von Großmutter zur Enkelin. Aus den Erinnerungen einer Frau, die viel erlebt hat, sich viel gewünscht und auch vergessen hat. „Meine“ Zeitzeugin.

Kontakt und Ansprechpartner:

Marie Senftleben-Gudrich 0163 2806521 m@senftleben-gudrich.de

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l e a . g u d r i c h

arbeitet als Bildende Künstlerin (Malerei) in Köln, Deutschland. Nach einem Studium, das mit freier Kunst in Rouen / Frankreich begann, über die Kunstakademie in Krakau / Polen seinen Fortgang hatte, um an der Hochschule in Trier 2013 mit Diplom seinen Abschluss zu finden, unterrichtet die Künstlerin mit zwei Lehraufträgen an der Hochschule Trier und stellt ihre Gemälde regelmäßig, in verschiedenen Städten in Deutschland aus.

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Über ihre Arbeit sagt Lea Gudrich: „Malen und Zeichnen ist für mich wie Sprechen. Ein wesentlicher Bestandteil meines Seins.“ Tatsächlich begann ihre künstlerische Laufbahn mit den ersten Schritten. Solange Sie sich zurück erinnert, waren künstlerischer Ausdruck und kreatives Schaffen ständige und nicht wegzudenkende Begleiter, jeden Tag, überall. Die junge Künstlerin arbeitet gerne großformatig und versteht es, verschiedene Techniken miteinander zu kombinieren. So entstehen, neben diversen anderen Herangehensweisen, abstrakte Gemälde in Acryl oder Öl auf grober Leinwand, in Kombination mit realistischen Tuschezeichnungen, die sich wie ein zunächst unsichtbares Netz durch ihre Arbeiten ziehen. Einmal entdeckt sind sie wesentlicher Bestandteil ihrer Aussage.